Im Streben nach makelloser Haut gelten große Poren oft als größtes Problem. Wir betrachten sie eingehend in Vergrößerungsspiegeln und tragen Primer in großen Mengen auf, um sie zu kaschieren. Unter den unzähligen Hautpflegeinhaltsstoffen, die eine Verfeinerung des Hautbildes versprechen, hat sich Niacinamid (Vitamin B3) als Goldstandard etabliert. Doch inmitten des Hypes stellt sich die Frage: Hilft Niacinamid tatsächlich spürbar gegen Poren, oder ist es nur ein weiterer Trend?
Als Kosmetikwissenschaftlerin und Kosmetikerin habe ich viele Inhaltsstoffe kommen und gehen sehen, aber Niacinamid hat sich aus gutem Grund bewährt. Allerdings kursieren viele Fehlinformationen darüber, wie es die Hautstruktur tatsächlich beeinflusst. Kann ein Inhaltsstoff Poren wirklich „verkleinern“? Öffnet er sie wie eine Säure, oder wirkt er anders?
In diesem umfassenden Leitfaden analysieren wir die wissenschaftlichen Hintergründe von Niacinamid gegen große Poren, klären über realistische Erwartungen an die Porengröße auf und zeigen, wie Sie diesen wirkungsvollen Inhaltsstoff optimal in Ihre Pflegeroutine integrieren. Einen detaillierten Überblick darüber, wie dieser Schritt in Ihre gesamte Pflegeroutine passt, finden Sie in unserem Artikel „So erstellen Sie eine Hautpflegeroutine: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger“.
Kurz gesagt: Das Fazit
Ja, Niacinamid hilft bei vergrößerten Poren, aber nicht, indem es sie physisch verkleinert. Es reguliert die Talgproduktion, wodurch ein Ausdehnen der Poren verhindert wird, und regt die Kollagenproduktion an, um die Hautstruktur zu straffen. Dadurch wirken die Poren kleiner und feiner.
Die Anatomie der Poren verstehen: Warum sehen sie so groß aus?
Bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, ob Niacinamid die Poren verkleinert, müssen wir verstehen, was eine Pore eigentlich ist und warum sie größer erscheinen kann, als man es gerne hätte. Poren sind keine Türen; sie besitzen keine Muskeln, die sie öffnen und schließen lassen. Sie sind im Wesentlichen die Öffnung eines Haarfollikels und dienen als Kanal für Talg (Hautfett), der ihn an die Hautoberfläche transportiert.
Die drei Hauptursachen für vergrößerte Poren
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Übermäßige Talgproduktion: Dies ist die häufigste Ursache. Wenn Ihre Talgdrüsen zu viel Öl produzieren, fließt dieses durch die Porenwand. Dieses überschüssige Volumen dehnt die Porenwand und lässt die Öffnung größer erscheinen.
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Verlust der Elastizität: Mit zunehmendem Alter oder durch Sonnenschäden bauen sich Kollagen und Elastin ab, die die Struktur um die Poren herum stützen. Ohne diese feste Stütze erschlaffen die Porenwände und die Öffnung weitet sich (vergleichbar mit einem Gummiband, das seine Spannkraft verliert).
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Eingeschlossene Ablagerungen: Wenn sich Öl mit abgestorbenen Hautzellen vermischt und oxidiert (sich schwarz verfärbt), bildet es einen Pfropfen. Diese physikalische Blockade zwingt die Pore zur Erweiterung, um die Ablagerungen aufzunehmen.
Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend, denn jeder Inhaltsstoff, der die Poren verfeinern soll, muss eine dieser Hauptursachen bekämpfen.
Was ist Niacinamid?
Niacinamid ist die wasserlösliche Form von Vitamin B3 (Nicotinamid). Im Gegensatz zu aggressiven Peelings oder austrocknenden Alkoholen ist Niacinamid für seine Sanftheit und Vielseitigkeit bekannt. Es ist ein zellkommunizierender Inhaltsstoff, das heißt, es kann mit den Hautzellen „sprechen“ und sie zu einem gesünderen und optimierten Verhalten anregen.
Es ist mit nahezu jedem Hauttyp verträglich und harmoniert gut mit den meisten anderen Wirkstoffen. Daher ist es ein fester Bestandteil in Formulierungen von Gesichtswassern bis hin zu Feuchtigkeitscremes. Obwohl es für seine aufhellende Wirkung und die Reparatur der Hautbarriere bekannt ist, ist seine Wirkung auf die Porenphysiologie in der Kosmetikchemie einzigartig.
Verkleinert Niacinamid die Poren? Die ungeschminkte Wahrheit
Kommen wir nun zum Elefanten im Raum: Verkleinert Niacinamid die Poren dauerhaft?
Streng genommen nein. Die genetische Veranlagung zur Porengröße lässt sich nicht verändern. Wer von Natur aus fettige Haut und größere Poren hat, behält diesen Hauttyp. Niacinamid kann jedoch das Erscheinungsbild vergrößerter Poren deutlich reduzieren, indem es die Poren in ihren natürlichen, ungedehnten Zustand zurückführt.
Stellen Sie sich eine Pore wie einen Ballon vor. Füllt man sie mit Luft (Talg/Öl), dehnt sie sich aus. Lässt man die Luft ab, zieht sie sich wieder zusammen. Niacinamid wirkt wie ein Regulator, der verhindert, dass der Ballon überhaupt erst überfüllt wird.
Der „Verkleinerungseffekt“
Obwohl wir Poren nicht entfernen können, zeigen klinische Studien, dass die regelmäßige Anwendung von Niacinamid die Hautstruktur (Rauheit) verbessert und die Sichtbarkeit von Porenöffnungen reduziert. Durch die Normalisierung des Milieus innerhalb und um die Pore herum trägt Niacinamid dazu bei, dass die Poren verfeinert, enger und weniger sichtbar erscheinen.
Wirkungsmechanismus: Wie Niacinamid die Poren beeinflusst
Wie genau erzielt dieses Vitamin solch beeindruckende Ergebnisse? Es bekämpft vergrößerte Poren auf zwei verschiedene Arten: durch Regulierung der Talgproduktion und Stärkung der Hautstruktur.
1. Regulierung der Talgproduktion
Dies ist der Hauptweg, über den Niacinamid bei vergrößerten Poren hilft. Studien zeigen, dass Niacinamid die Talgproduktion der Haut deutlich senken kann. Indem es die Sebozyten (Talgzellen) beruhigt, fließt weniger Talg durch die Porenwand.
- Das Ergebnis: Da weniger Talg durch den Porenkanal fließt, steht die Porenwand unter weniger Druck und wird nicht so stark gedehnt. Dadurch kann sich die Pore wieder auf ihre normale Größe zurückbilden.
2. Stärkung der Hautstruktur
Niacinamid erhöht die Produktion von Ceramiden und anderen Barrierelipiden. Noch wichtiger für die Poren ist jedoch die Unterstützung der Kollagensynthese.
- Das Ergebnis: Durch die Stärkung des Bindegewebes um die Poren herum wird die Haut straffer. Straffere Haut hält die Porenöffnung geschlossen, während schlaffe Haut die Poren erschlaffen und größer erscheinen lässt (oft als „Orangenhaut“-Textur bezeichnet).
3. Entzündungshemmende Eigenschaften
Entzündungen können zu Gewebeschwellungen führen, wodurch die Poren deutlicher sichtbar werden. Niacinamid ist ein starker Entzündungshemmer, der Rötungen und Schwellungen, die häufig mit Akne und verstopften Poren einhergehen, lindert und so für ein insgesamt glatteres Hautbild sorgt.
Öffnet Niacinamid die Poren?
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Wirkung von Niacinamid als Peeling. Nutzer fragen oft: Befreit Niacinamid die Poren?
Direkt? Nein. Niacinamid ist kein keratolytisches Mittel wie Salicylsäure (BHA) oder Glykolsäure (AHA). Es löst weder die Verbindungen zwischen abgestorbenen Hautzellen noch den verhärteten Talgpfropfen in Mitessern.
Es spielt jedoch eine wichtige vorbeugende Rolle. Durch die Reduzierung der Talgproduktion wird die Entstehung von Verstopfungen verhindert. Weniger Talg bedeutet weniger Wahrscheinlichkeit, dass er sich mit abgestorbenen Hautschüppchen vermischt und die Poren verstopft.
Die Strategie: Für eine optimale Porenreinigung kombinieren Sie Niacinamid (um die Talgproduktion zu reduzieren) mit einem BHA (um bestehende Verstopfungen zu lösen). Diese Kombination ist deutlich effektiver als die Anwendung eines der beiden Inhaltsstoffe allein.
Niacinamid im Vergleich zu anderen porenverfeinernden Inhaltsstoffen
Um zu verstehen, wie Niacinamid für große Poren in Ihre Pflegeroutine passt, hilft ein Vergleich mit anderen Top-Produkten der Hautpflege. Hier ist der Vergleich:
| Eigenschaften | Niacinamid | Salicylsäure (BHA) | Retinol | Tonerde (Kaolin/Bentonit) |
| :------------------ | :------------------------------- | :----------------------------- | :--------------------------------- | :----------------------------- |
| Hauptwirkung | Reguliert die Talgproduktion und stärkt die Hautbarriere | Löst überschüssiges Öl und befreit die Poren von Unreinheiten | Fördert die Zellerneuerung und die Kollagenproduktion | Absorbiert überschüssiges Öl |
| Ideal für | Fettige/erweiterte Poren | Mitesser und aktive Verstopfungen | Reife und unebene Poren | Sofortige (vorübergehende) Straffung |
Hautreizungsrisiko | Gering | Mittel | Hoch | Gering bis mittel |
Anwendungshäufigkeit | Täglich (morgens/abends) | 2-3 Mal wöchentlich | Abends | 1 Mal wöchentlich |
Hinweis der Kosmetikerin: Sie müssen sich nicht immer für nur eines entscheiden. Niacinamid lässt sich hervorragend mit Retinol kombinieren und kann morgens angewendet werden, während Sie abends BHA oder Retinol verwenden.
So wenden Sie Niacinamid für optimale Ergebnisse an
Um sicherzustellen, dass Niacinamid die Poren effektiv verfeinert, ohne Irritationen zu verursachen, beachten Sie bitte die folgenden Hinweise zu Konzentration und Anwendung.
Die Prozent-Debatte: Ist mehr besser?
In den letzten Jahren sind Seren mit 15 % oder sogar 20 % Niacinamid aufgetaucht. Klinische Studien, die die Wirksamkeit belegen, testen Niacinamid jedoch üblicherweise in Konzentrationen zwischen 2 % und 5 %.
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2–5 %: Der optimale Bereich. Wirksam für die Reparatur der Hautbarriere, die Regulierung des Ölglanzes und die Reduzierung von Pigmentflecken, ohne Irritationen zu verursachen.
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10 % und mehr: Höhere Konzentrationen sind zwar beliebt, können aber insbesondere bei empfindlicher Haut zu Irritationen, Rötungen und Brennen führen. Mehr ist nicht immer besser. Bei empfindlicher Haut sollten Sie sich an die niedrigere Konzentration halten.
Anwendung in Ihrer Pflegeroutine
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Reinigung: Beginnen Sie mit einer sanften Reinigung, um oberflächliche Unreinheiten zu entfernen.
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Toner/Peeling: Wenn Sie ein BHA-Produkt zur Verfeinerung der Poren verwenden, tragen Sie es hier auf.
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Niacinamid-Serum: Tragen Sie das Niacinamid-Serum auf die leicht angefeuchtete Haut auf. Da es wasserlöslich ist, zieht es schnell ein.
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Feuchtigkeitscreme: Schließen Sie die Feuchtigkeit ein.
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Sonnenschutz: Tragen Sie morgens immer Sonnenschutz auf.
Wenn Sie sich bezüglich der genauen Reihenfolge der Produkte unsicher sind, lesen Sie bitte den Abschnitt „Richtige Anwendungsreihenfolge“ in unserer Anleitung zum Aufbau einer Hautpflege-Routine: Schritt für Schritt für Anfänger.
Fehlerbehebung: Erbrechen und Reizungen
Kann die Anwendung von Niacinamid bei großen Poren zu Hautunreinheiten führen?
Der Niacin-Flush
In seltenen Fällen kann sich Niacinamid auf der Haut in Niacin (Nikotinsäure) umwandeln und eine vorübergehende Rötung, den sogenannten „Niacin-Flush“, verursachen. Dieser ist harmlos, aber unangenehm. Bei modernen, pH-neutralen Formeln tritt er seltener auf.
Verursacht Niacinamid eine Erstverschlimmerung?
Niacinamid beschleunigt die Zellerneuerung nicht und sollte daher keine Erstverschlimmerung (eine verstärkte Hautunreinheit) verursachen. Wenn Sie nach der Anwendung eines neuen Niacinamid-Produkts Hautunreinheiten bekommen, handelt es sich wahrscheinlich um eine Reaktion auf einen anderen Inhaltsstoff oder um eine Reizung durch eine zu hohe Konzentration (z. B. 10–20 %).
Lösung: Bei Hautreizungen wechseln Sie zu einem Produkt mit einer niedrigeren Konzentration (2–5 %) oder zu einem Produkt, das Niacinamid mit beruhigenden Inhaltsstoffen wie Panthenol oder Zink kombiniert.
Werkzeugkasten: Die besten Produktarten bei Porenproblemen
Achten Sie beim Kauf auf Produkte, die Niacinamid mit synergistischen Inhaltsstoffen kombinieren, um die Porenverfeinerung zu maximieren.
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Niacinamid + Zink-PCA: Ideal für fettige, zu Akne neigende Haut. Zink hemmt die 5-alpha-Reduktase, ein Enzym, das an der Talgproduktion beteiligt ist, und verstärkt so die talgregulierende Wirkung von Niacinamid.
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Niacinamid + Hyaluronsäure: Hervorragend geeignet für feuchtigkeitsarme, fettige Haut. Manchmal wirken Poren vergrößert, weil die Haut trocken ist und spannt; Feuchtigkeitszufuhr polstert die Haut auf und verfeinert das Hautbild.
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Niacinamid + Salicylsäure: Das ultimative Duo für alle, die sich fragen: „Befreit Niacinamid die Poren? Die Säure befreit die Poren, und das Vitamin reguliert die Talgproduktion.
Hilft Niacinamid also gegen vergrößerte Poren? Die Wissenschaft ist sich einig: Ja. Zwar kann kein Inhaltsstoff die Poren vollständig verschwinden lassen – und das ist auch gut so, denn die Haut muss atmen und Talg produzieren –, aber Niacinamid ist eines der wirksamsten Mittel, um die Porengröße zu regulieren. Es reguliert die Talgproduktion und stärkt die Hautstruktur, sodass die Poren wieder ihr natürliches, verfeinertes Aussehen annehmen können.
Regelmäßigkeit ist entscheidend. Erwarten Sie keine Wunder über Nacht, aber bei täglicher Anwendung über 8–12 Wochen können Sie mit einem glatteren, ebenmäßigeren Teint rechnen.
Möchten Sie Ihre Hautpflege-Routine optimieren? Entdecken Sie unsere vollständige Anleitung „So erstellen Sie eine Hautpflege-Routine: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger“ für weitere Tipps, wie Sie eine Routine entwickeln, die eine gesunde und ausgeglichene Haut fördert.








