Eine der häufigsten Fragen, die mir als Kosmetikerin gestellt wird, lautet: „Ich arbeite heute von zu Hause aus und gehe keinen einzigen Schritt vor die Tür. Muss ich da wirklich meine teure Sonnencreme verschwenden?“ Es erscheint intuitiv, darauf zu verzichten. Schließlich ist Sonnencreme für die Sonne gedacht, und man ist ja drinnen. Die Wissenschaft der Wechselwirkung von Licht und Haut erzählt jedoch eine andere Geschichte.
Wände und Dächer blockieren zwar direktes Sonnenlicht, aber nicht alle Strahlungsarten, die die Hautalterung beschleunigen können. Zu verstehen, wie UV-Strahlen mit Glas interagieren – und wie die Geräte, auf die wir den ganzen Tag starren, unsere Hautbarriere beeinflussen – ist entscheidend für die langfristige Hautgesundheit. Die Grundlagen des täglichen Sonnenschutzes behandeln wir in unserem Leitfaden „So stellst du dir eine Hautpflege-Routine zusammen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger“. Heute konzentrieren wir uns auf die spezifischen Nuancen der Sonneneinstrahlung in Innenräumen. Am Ende dieses Leitfadens werden Sie genau verstehen, warum Sonnenschutz auch in Innenräumen notwendig ist und wie Sie die richtige Formel auswählen, die sich auch für einen gemütlichen Tag auf dem Sofa angenehm anfühlt.
Die kurze Antwort: Muss ich in Innenräumen Sonnenschutzmittel tragen?
Für alle, die es kurz und bündig mögen: Ja, in den meisten Fällen sollten Sie auch in Innenräumen Sonnenschutzmittel verwenden.
Sofern Sie sich nicht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in einem fensterlosen Raum aufhalten (wie einem Keller oder einer Dunkelkammer), sind Sie wahrscheinlich UV-Strahlung ausgesetzt. Die meisten Standard-Glasfenster blockieren zwar UVB-Strahlen (die Sonnenbrand verursachen), lassen aber einen erheblichen Anteil der UVA-Strahlen (die für vorzeitige Hautalterung verantwortlich sind) durch. Wenn Sie sich zudem in der Nähe von Fenstern aufhalten oder stundenlang vor Bildschirmen sitzen, ist Ihre Haut Umweltbelastungen ausgesetzt, die durch regelmäßigen Sonnenschutz abgemildert werden können.
Sie benötigen jedoch wahrscheinlich nicht den hohen, wasserfesten Lichtschutzfaktor 50, den Sie am Strand verwenden. Sonnenschutz in Innenräumen dient der Hauterhaltung und der Vorbeugung von Hautalterung, nicht dem Schutz vor Sonnenbrand dritten Grades.
Die Wissenschaft der UV-Belastung in Innenräumen: UVA vs. UVB
Um zu verstehen, warum Sonnenschutzmittel auch in Innenräumen notwendig sind, müssen wir uns die Physik des ultravioletten Lichts ansehen. UV-Strahlung wird nach Wellenlänge kategorisiert, und verschiedene Wellenlängen interagieren unterschiedlich mit physikalischen Barrieren – wie zum Beispiel Ihren Fenstern.
UVB-Strahlen: Die Sonnenbrand-Strahlen
UVB-Strahlen haben kürzere Wellenlängen (290–320 nm). Diese energiereichen Strahlen sind hauptsächlich für die Rötung der Haut und Sonnenbrand verantwortlich.
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Interaktion mit Fenstern: Standard-Wohnglas blockiert fast 100 % der UVB-Strahlen.
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Risiko in Innenräumen: Extrem gering. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie sich einen Sonnenbrand holen, wenn Sie bei geschlossenen Fenstern drinnen sitzen, selbst an einem sonnigen Tag.
UVA-Strahlen: Die Hautalterungs-Strahlen
UVA-Strahlen haben längere Wellenlängen (320–400 nm). Sie dringen tiefer in die Haut ein als UVB-Strahlen und erreichen die Dermis, wo sie Kollagen- und Elastinfasern schädigen. Diese Schäden führen zu Falten, Erschlaffung und Hyperpigmentierung (Pigmentflecken).
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Interaktion mit Fenstern: Standardglas absorbiert nur etwa 25 % der UVA-Strahlen. Das bedeutet, dass rund 75 % der UVA-Strahlung ungehindert durch Ihr Fenster dringen.
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Risiko in Innenräumen: Hoch. Wenn Sie in Ihrer Wohnung Tageslicht haben, sind Sie UVA-Strahlung ausgesetzt.
Da UVA-Strahlen schmerzlos sind und keine sofortige Rötung verursachen, spüren Sie die Schädigung nicht. Deshalb bezeichnen Dermatologen UVA-Strahlen oft als „stille Hautalterung“. Sie denken vielleicht, Sie seien sicher, weil Sie keinen Sonnenbrand bekommen, aber die Zellschäden summieren sich mit jeder Stunde, die Sie am sonnigen Fenster sitzen.
Die Debatte um blaues Licht: Bildschirme und Hautgesundheit
Neben dem Sonnenlicht, das durchs Fenster scheint, gibt es eine weitere Lichtquelle zu berücksichtigen: hochenergetisches sichtbares Licht (HEV-Licht), allgemein bekannt als blaues Licht. Dieses stammt von der Sonne, aber auch von unseren digitalen Geräten – Smartphones, Laptops und Fernsehern.
Schadet blaues Licht der Haut?
Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass blaues Licht von Bildschirmen zwar deutlich weniger intensiv ist als blaues Licht der Sonne, die Nähe und Dauer der Exposition jedoch eine Rolle spielen. Wir halten unsere Smartphones stundenlang nur wenige Zentimeter vor unser Gesicht. Studien zeigen, dass blaues Licht Folgendes bewirken kann:
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Oxidativen Stress auslösen: Es erzeugt freie Radikale, die die Hautbarriere schwächen können.
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Hyperpigmentierung verstärken: Bei Menschen mit dunkleren Hauttönen (Fitzpatrick-Typen III–VI) oder einer Neigung zu Melasma kann blaues Licht die Pigmentproduktion in manchen Fällen stärker anregen als UV-Licht.
Die Rolle von Sonnenschutzmitteln gegen blaues Licht
Nicht alle Sonnenschutzmittel schützen vor blauem Licht. Chemische Filter (wie Avobenzon) blockieren im Allgemeinen kein HEV-Licht. Um die Vorteile der Verwendung von Sonnenschutzmitteln in Innenräumen zum Schutz vor Bildschirmstrahlung zu nutzen, benötigen Sie einen physikalischen Filter, insbesondere Eisenoxide.
Eisenoxide sind am häufigsten in getönten Sonnenschutzmitteln enthalten. Die Pigmente, die für die hautfarbene Tönung sorgen, bilden den physikalischen Schutz gegen blaues Licht. Wenn Sie sich also in Innenräumen vor Bildschirmstrahlung schützen möchten, ist ein getönter mineralischer Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor die beste Wahl.
Die wichtigsten Vorteile der Verwendung von Sonnenschutzmitteln in Innenräumen
Sonnenschutz in Ihre Hautpflege-Routine zu Hause zu integrieren, ist keine Frage der Vorsicht, sondern ein strategischer Schritt für langfristige Hautgesundheit. Hier erfahren Sie, warum regelmäßige Anwendung wichtig ist, selbst an entspannten Sonntagen.
1. Regelmäßigkeit schafft Gewohnheiten
Hautpflege ist am effektivsten, wenn sie zur Gewohnheit wird und nicht jeden Morgen eine bewusste Entscheidung ist. Wenn Sie Sonnenschutz jeden Tag als letzten Schritt Ihrer Morgenroutine auftragen, ersparen Sie sich die Gedanken über Wetter oder Termine. So sind Sie auch dann geschützt, wenn Sie unerwartet Besorgungen erledigen oder mittags etwas essen gehen.
2. Melasma-Schüben vorbeugen
Melasma ist bekanntermaßen schwer zu behandeln und kann leicht ausgelöst werden. Hitze und selbst geringe Mengen an UVA-Strahlung können Schübe verursachen. Bei Hyperpigmentierung ist künstliches Sonnenlicht in Innenräumen ein häufiger, oft übersehener Grund dafür, dass dunkle Flecken trotz aufhellender Seren nicht verblassen.
3. Schutz der Wirkstoffe
Wenn Ihre Pflegeroutine Peelings wie AHAs (Glykolsäure, Milchsäure) oder Retinoide enthält, ist Ihre Haut lichtempfindlich. Diese Inhaltsstoffe verdünnen die Hornschicht (die äußerste Hautschicht) und machen sie dadurch anfälliger für UV-Schäden. Das Tragen von Sonnenschutz in Innenräumen schützt die anderen, teureren Produkte Ihrer Pflegeroutine zusätzlich.
Ausnahmen: Wann kann man es tatsächlich überspringen?
Als Wissenschaftler glaube ich an die Bedeutung von Differenzierung. Auch wenn die allgemeine Regel lautet, Sonnenschutz zu verwenden, gibt es Situationen, in denen die Frage ist Sonnenschutz in Innenräumen notwendig? nicht zutrifft.
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Fensterlose Räume: Wenn Sie in einem fensterlosen Raum arbeiten (z. B. in einem Kellerbüro) und nicht nach draußen gehen, sind Sie vor UVA-Strahlung geschützt. Beachten Sie jedoch den Blaulichtanteil, wenn Sie viel Zeit vor Bildschirmen verbringen.
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UV-geschützte Fenster: Einige moderne Fenster oder nachträglich angebrachte Fensterfolien sind so behandelt, dass sie 99 % der UVA-Strahlen blockieren. Wenn Sie sicher sind, dass Ihr Zuhause mit UV-Schutzglas ausgestattet ist, können Sie auf Sonnenschutzmittel verzichten.
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Nachtschicht: Wenn Sie nur nachts wach und aktiv sind, benötigen Sie keinen Sonnenschutz.
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Die Verdunkelungsvorhang-Regel: Wenn Sie den ganzen Tag über blickdichte Vorhänge zugezogen haben und ausschließlich künstliches Licht (keine UV-emittierenden Leuchtstoffröhren) verwenden, ist Ihr Risiko vernachlässigbar gering.
Die richtige Sonnencreme für Innenräume auswählen
Der Hauptgrund, warum viele Menschen ungern Sonnencreme in Innenräumen verwenden, ist die Textur. Niemand möchte sich beim Filmabend klebrig fühlen oder nach Kokosnuss riechen. Der Schlüssel zur Akzeptanz liegt in der Wahl einer speziell für Innenräume geeigneten Formel.
| Eigenschaften | Lichtschutzfaktor für draußen | Lichtschutzfaktor für drinnen |
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| Textur | Oft dickerer, schützender Film | Leicht, serumartig, atmungsaktiv |
| Wasserfestigkeit | Kritisch (80 Min.) | Nicht notwendig |
| Finish | Kann fettig sein oder einen weißen Film hinterlassen | Unsichtbar oder leicht getönt |
| Wichtigster Schutz | Hoher UVB- und UVA-Schutz | Hoher UVA- und HEV-Schutz (Blaulicht) |
Worauf Sie achten sollten
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Feuchtigkeitsspendende Formeln: Achten Sie auf Sonnencremes, die gleichzeitig Feuchtigkeit spenden. Produkte mit Ceramiden, Hyaluronsäure oder Glycerin ermöglichen es Ihnen, auf Ihre morgendliche Feuchtigkeitscreme zu verzichten und nur ein Produkt zu verwenden.
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Getönte Varianten: Wie bereits erwähnt, enthalten diese Eisenoxide zum Schutz vor blauem Licht und bieten eine angenehme, leichte Deckkraft für Videoanrufe.
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Chemische vs. mineralische Sonnenschutzmittel: Für die Anwendung in Innenräumen sind chemische Sonnenschutzmittel oft kosmetisch ansprechender und leichter. Wenn Sie jedoch empfindliche Haut haben oder Schutz vor blauem Licht wünschen, ist ein getönter mineralischer Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor die bessere Wahl.
Praktische Tipps für die Anwendung in Innenräumen
Sie müssen Sonnenschutzmittel drinnen nicht so sorgfältig auftragen wie am Strand, aber die Grundregeln gelten trotzdem.
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Die Zwei-Finger-Regel: Auch hier ist ausreichender Schutz wichtig. Verwenden Sie etwa ¼ bis ½ Teelöffel für Gesicht und Hals.
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Erneutes Auftragen: Muss man sich drinnen alle zwei Stunden erneut eincremen? Im Allgemeinen nicht. Solange Sie nicht in der prallen Sonne sitzen (wie eine Katze im Sonnenstrahl) oder stark schwitzen, reicht eine einmalige Anwendung morgens bei normalem Licht in Innenräumen meist aus.
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Vergessen Sie nicht Hals und Hände: Diese Bereiche altern genauso schnell wie das Gesicht. Wenn Sie in der Nähe eines Fensters tippen, bekommen Ihre Handrücken die volle Dosis UVA-Strahlung ab.
Ist Sonnenschutz also auch in Innenräumen notwendig? Wenn Ihnen die Vorbeugung vorzeitiger Hautalterung, ein ebenmäßiger Teint und der Schutz Ihrer Haut vor den kumulativen Auswirkungen von UVA- und Blaulicht wichtig sind, lautet die Antwort ganz klar: Ja. Betrachten Sie Sonnenschutz in Innenräumen nicht nur als Schutz vor Sonnenbrand, sondern als täglichen Schutz vor vorzeitiger Hautalterung. Er ist das kostengünstigste Anti-Aging-Produkt, das Sie kaufen können.
Mit einer leichten Formel, die sich wie eine Feuchtigkeitscreme anfühlt, lässt sich dieser Schritt mühelos in Ihre tägliche Pflegeroutine integrieren. Bereit für mehr Informationen? Entdecken Sie unsere vollständige Anleitung „So erstellen Sie eine Hautpflege-Routine: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger“ für weitere Einblicke, wie Sonnenschutz in Ihre Pflegeroutine passt und wie Sie ihn effektiv anwenden.








