Lebensmittelkonservierungsstoffe sind unerlässlich für die Sicherheit, Frische und Qualität unserer Lebensmittel, doch ihre potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen werfen oft Fragen auf. Obwohl die meisten von den Aufsichtsbehörden als unbedenklich eingestuft werden, können bei manchen Menschen Nebenwirkungen auftreten, und einige Konservierungsstoffe geben Anlass zu besonderen Bedenken. Das Verständnis dieser Substanzen ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensmittelsicherheit. Einen umfassenden Überblick bietet unser Leitfaden „Die Wissenschaft der Lebensmittelzusatzstoffe: Ein Leitfaden zu Sicherheit und Regulierung“. In diesem Artikel gehen wir näher auf die spezifischen Nebenwirkungen gängiger Konservierungsstoffe wie Natriumbenzoat, Sulfite und Nitrate ein.
Lebensmittelkonservierungsstoffe und ihre Funktion verstehen
Lebensmittelkonservierungsstoffe sind Substanzen, die Lebensmitteln, Getränken und Kosmetika zugesetzt werden, um Verderb, mikrobielles Wachstum oder unerwünschte chemische Veränderungen zu verhindern. Sie spielen eine entscheidende Rolle im modernen Lebensmittelsystem, indem sie die Haltbarkeit verlängern, Lebensmittelverschwendung reduzieren und lebensmittelbedingte Erkrankungen durch Bakterien wie Clostridium botulinum verhindern.
Es gibt zwei Hauptkategorien:
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Antimikrobielle Mittel: Diese hemmen das Wachstum von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen. Beispiele hierfür sind Benzoate, Sorbate und Nitrate.
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Antioxidantien: Diese verhindern Oxidation, die zum Ranzigwerden oder zur Farbveränderung von Lebensmitteln führen kann. Beispiele hierfür sind BHA, BHT und Sulfite.
Natriumbenzoat: Von Limonade bis Salatdressing
Natriumbenzoat ist ein weit verbreitetes antimikrobielles Konservierungsmittel, insbesondere in säurehaltigen Lebensmitteln wie Erfrischungsgetränken, Fruchtsäften, Essiggurken und Salatdressings. Es hemmt das Wachstum von Hefen und Schimmelpilzen sehr wirksam.
Mögliche Nebenwirkungen und Bedenken
Obwohl die FDA Natriumbenzoat als allgemein unbedenklich (GRAS) einstuft, bestehen einige Bedenken:
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Benzolbildung: In Kombination mit Ascorbinsäure (Vitamin C) und unter Einwirkung von Hitze oder Licht kann Natriumbenzoat geringe Mengen Benzol bilden, ein bekanntes Karzinogen. Lebensmittelhersteller haben ihre Produkte größtenteils neu formuliert, um dieses Risiko zu minimieren.
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Entzündungen und allergische Reaktionen: Einige Studien deuten darauf hin, dass höhere Konzentrationen von Natriumbenzoat Entzündungsreaktionen auslösen können. In seltenen Fällen kann es bei empfindlichen Personen zu allergischen Reaktionen wie Nesselsucht oder Asthma führen.
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ADHS-Bezug: Einige Studien haben einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Natriumbenzoat sowie bestimmter künstlicher Lebensmittelfarbstoffe und erhöhter Hyperaktivität bei Kindern festgestellt. Um einen direkten ursächlichen Zusammenhang zu bestätigen, sind jedoch weitere Forschungen erforderlich.
Sulfite: Ein häufiges Problem bei Wein und Trockenfrüchten
Sulfite (wie Schwefeldioxid, Natriumsulfit und Kaliummetabisulfit) sind starke Antioxidantien und antimikrobielle Mittel, die zur Verhinderung der Bräunung von Obst und Gemüse, zur Hemmung des mikrobiellen Wachstums in fermentierten Getränken wie Wein und zum Bleichen von Stärke verwendet werden.
Sulfitempfindlichkeit
Für die meisten Menschen sind Sulfite unbedenklich. Ein Teil der Bevölkerung, insbesondere Asthmatiker, reagiert jedoch empfindlich darauf. Mögliche Nebenwirkungen bei empfindlichen Personen sind:
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Asthmatische Reaktionen: Die häufigste Reaktion ist das Auftreten von Asthmasymptomen, von leichtem Keuchen bis hin zu schwerer Atemnot.
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Allergische Symptome: Weitere Reaktionen können Nesselsucht, Hautrötungen, Verdauungsbeschwerden und Kopfschmerzen sein.
Aufgrund dieser Risiken schreiben die Lebensmittelvorschriften in den meisten Ländern eine deutliche Kennzeichnung von Produkten vor, die mehr als 10 ppm Sulfite enthalten.
Nitrate und Nitrite: Das Risiko in Pökelwaren
Natriumnitrat und Natriumnitrit sind Salze, die seit Jahrhunderten zum Pökeln von Fleischwaren wie Speck, Schinken, Hotdogs und Wurstwaren verwendet werden. Sie spielen eine wichtige Rolle, indem sie das Wachstum des tödlichen Bakteriums Clostridium botulinum verhindern und tragen außerdem zur charakteristischen rosa Farbe und zum Geschmack von Pökelwaren bei.
Der Zusammenhang mit Nitrosaminen
Nitrate selbst sind relativ stabil, können sich aber im Körper oder in Lebensmitteln in Nitrite umwandeln. Die größte gesundheitliche Gefahr entsteht, wenn Nitrite in Gegenwart von Aminosäuren hohen Temperaturen ausgesetzt werden (z. B. beim Braten von Speck), da sie Verbindungen bilden können, die als Nitrosamine bezeichnet werden.
Viele Nitrosamine sind stark krebserregend. Dieser Zusammenhang hat dazu geführt, dass Gesundheitsorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verarbeitetes Fleisch als krebserregend der Gruppe 1 einstufen. Um dieses Risiko zu verringern, sind die Hersteller heute häufig verpflichtet, Pökelwaren Antioxidantien wie Vitamin C (Ascorbinsäure) oder Vitamin E (Tocopherol) zuzusetzen, welche die Bildung von Nitrosaminen hemmen.
Der Wandel hin zu natürlichen Konservierungsmitteln
Als Reaktion auf die Verbrauchernachfrage nach transparenteren Inhaltsstofflisten und Bedenken hinsichtlich synthetischer Zusatzstoffe setzt die Lebensmittelindustrie zunehmend auf natürliche Alternativen. Diese nutzen die natürlichen antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften natürlicher Verbindungen.
Gängige natürliche Alternativen
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Salz und Zucker: Die ältesten Konservierungsmittel. Sie wirken, indem sie den Zellen durch Osmose Wasser entziehen und so ein Milieu schaffen, in dem Mikroorganismen nicht gedeihen können.
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Essig (Essigsäure): Sein hoher Säuregehalt hemmt das Wachstum der meisten Mikroorganismen.
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Rosmarin- und Oreganoextrakte: Diese enthalten starke antioxidative Verbindungen wie Carnosinsäure und Rosmarinsäure.
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Vitamin C (Ascorbinsäure) & Vitamin E (Tocopherole): Starke Antioxidantien, die Verfärbungen und Ranzigwerden verhindern.
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Kulturiertes Selleriepulver: Eine natürliche Quelle für Nitrate, die häufig in Produkten verwendet werden, die als "ungepökelt" oder "natürlich gepökelt" vermarktet werden, obwohl sie dennoch Nitrite zum Endprodukt beitragen.
Lebensmittelkonservierungsstoffe spielen eine entscheidende Rolle für eine sichere und stabile Lebensmittelversorgung. Die meisten gelten in den zugelassenen Mengen als unbedenklich, doch bestimmte Verbindungen wie Sulfite, Natriumbenzoat und Nitrite können bei empfindlichen Personen oder unter bestimmten Umständen Nebenwirkungen hervorrufen. Wichtig sind Mäßigung und Bewusstsein. Indem Sie Lebensmitteletiketten lesen und verstehen, was Sie konsumieren, können Sie bewusste Entscheidungen für Ihre Gesundheit treffen. Möchten Sie tiefer in die Welt der Lebensmittelzutaten eintauchen? Entdecken Sie unsere umfassende Publikation „Die Wissenschaft der Lebensmittelzusatzstoffe: Ein Leitfaden zu Sicherheit und Regulierung“ für weitere Informationen.


